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Kategorie: Übungsgruppe

Übungsgruppen-Gedanken: Rollenklärung „ZuhörerInnen“

Übungsgruppen-Gedanken: Rollenklärung „ZuhörerInnen“

Nachdem ich ja im letzten Beitrag paar Gedanken zu den Rollen „ErzählerIn“ und „FragestellerIn“ zu Papier (im übertragenen Sinne – wie lautet das Pendant zur digitalen Welt? Zu Byte bringen?) gebracht habe, möchte ich mich jetzt den übrigen TeilnehmerInnen widmen: Den ZuhörerInnen.

Bild von Manfred Antranias Zimmer auf Pixabay

Dass die Gespräche nicht durch Zwischendurchfragen oder geflüsterte Unterhaltungen mit den Sitznachbarn gestört werden, ist ein Gebot der Höflichkeit, und es ist sehr selten, dass ich daran erinnern muss.

Wenn es keine besonderen Aufgaben gibt (manchmal gebe ich paar Anregungen mit) lade ich dazu ein, einfach zuzuhören, und verweise auf die Möglichkeit, im Anschluss des Gesprächs Fragen dazu zu stellen.

„Ihr alle anderen könnt einfach zuhören und genießen. Vielleicht macht ihr Euch Notizen, denn nach dem Gespräch könnt Ihr Eure Fragen dazu stellen oder Beobachtungen mitteilen. Auf welche Weise das geschieht, sage ich Euch dann, wenn es soweit ist – da lege ich Wert auf gewisse Umgangsformen, aber davon später mehr.“

Mir ist wichtig, dass das Gespräch selbst ungestört durch spontane Einwürfe oder Fragen der ZuhörerInnen stattfinden kann. Bei längeren Gesprächen kann es zwar vorkommen, dass wir (die FragerIn und ich als Coach) Vorschläge der Gruppe einholen, was die nächste Frage angeht, aber das ist eher die Ausnahme.

Und ganz allgemein erinnere ich auch daran, dass das hier und jetzt Gesprochene in diesem Kreis bleibt, es fällt sozusagen unter die nichtärztliche Schweigepflicht.

Am Anfang beschließen wir auch gemeinsam, wie viel Zeit wir für ein Gespräch anberaumen. In den Übungsgruppen sind das meist so zwischen 10 und 20 Minuten. Ich denke, das ist für alle gut zu wissen.

Wie bereits oben angedeutet, mache ich manchmal Vorschläge, worauf die Zuhörenden besonders achten können, z.B.

„Achtet mal vor allem auf das Tempo des Gespräches und auf die Pausen. Was geschieht, wenn sich da was ändert?“

Das Tempo eines Gesprächs liefert oft Hinweise, „wo“ wir uns im Gespräch gerade befinden. Da ist eine solche Aufgabe eine nette Übungsgelegenheit.

„Es gibt ja immer wieder Worte, die sozusagen aufleuchten, so Lichtpunkte, die Euch besonders auffallen. Macht Euch mal den Spaß und schreibt Euch einige davon auf.“

Im Anschluss an das Gespräch schauen wir uns dann diese Worte an und überlegen, was wohl das Besondere an diesen Worten sein könnte. Der Klang? Stößt es eigene Erinnerungen an?

„Versucht mal, vor allem auf die Gestik zu achten, wann diese lebendig oder eher verhalten auf euch wirkt. Wann lädt die Gestik Euch dazu ein, sie in eine Frage zu verpacken? Und wie würdet ihr das machen?“

Es ist immer wieder interessant, wie stark wir Gesten sofort mit Interpretationen verbinden. Eine Bewegung für sich zu beschreiben ist gar nicht so einfach.

Nach den Gesprächen gibt es ja immer eine Runde, in der wir über das Gespräch reflektieren. Natürlich ist es ja so, dass wir Hypothesen, also Annahmen über die erzählende Person bilden. Das lässt sich ja nicht vermeiden, wir ticken halt so. Und diese Runden können wir nutzen, uns auch über unsere Hypothesen auszutauschen.

Dieses Äußern von Hypothesen, v.a. nach einem vielleicht berührendem Gespräch, braucht einen sicheren Rahmen. Auf den werde ich im nächsten Teil dieser Miniserie zu schreiben kommen.

Aber wenn dieser Rahmen gegeben ist und die erzählende Person uns Rückmeldung geben kann, wieweit diese Hypothesen aus ihrer Sicht zutreffen oder eben nicht: wow, wie viel wir da doch lernen können über unsere Wahrnehmung und wie sie geprägt ist durch unsere eigene Geschichte und Erfahrungen.

Das immer mal vor Augen geführt zu bekommen kann sehr heilsam sein.
Finde ich.

Übungsgruppen-Gedanken: Rollenklärung „ErzählerIn und FragestellerIn“

Übungsgruppen-Gedanken: Rollenklärung „ErzählerIn und FragestellerIn“

Seit Februar 2021 biete ich eine Übungsgruppe an. Dank Corona bzw. den verstärkt angebotenen Onlineangeboten anderer GruppenleiterInnen konnte ich meinerseits an anderen Übungsgruppen teilnehmen, die mir in der analogen Welt verwehrt geblieben wären. Welch eine Vielfalt im Umgang mit ein und dem selben Thema! Ich hatte also eine Menge Gelegenheit, die unterschiedlichen Stile zu vergleichen und mir Gedanken darüber zu machen. Diese Gedanken möchte ich an dieser Stelle in einer losen Serie teilen. Pro Beitrag greife ich mir einen Aspekt heraus – ungeordnet, ohne System, unvollständig, wie’s mich gerade anlacht.

Bild von Susanne Jutzeler, Schweiz, auf Pixabay

Mir ist wichtig, dass die Rollen gut definiert sind, und dass die TeilnehmerInnen die Regeln kennen, nach denen hier „gespielt“ wird. Vor allem für AnfängerInnen werde ich nie müde, dies zu wiederholen:

„Wenn Du befragt wirst, dann heißt das nicht, dass Du alle Fragen auch beantworten musst. Wenn Du eine Frage nicht beantworten magst, dann sage einfach ‚Das mag ich nicht beantworten‘. Und: es gibt keine Themenverfehlungen. Wenn eine Frage nach z.B. einem Apfelbaum kommt, Du aber in Gedanken gerade bei Deiner letzten Bergwanderung bist, dann erzähle von der Bergwanderung. Es ist mir wichtig, dass Du weißt, dass Du auf diesem Stuhl alle Freiheiten hast. Die Fragen sind vielleicht Ideen, Denkanstöße, nicht mehr. Und wenn Du den Eindruck hast, dass Du dabei bist, etwas zu Privates anzusprechen, überlege einfach kurz, ob das diesen Grad an Öffentlichkeit -wir sind hier halt eine ganze Gruppe an Menschen, die üben wollen- auch gut verträgt.“

Die Erzählerin oder der Erzähler sollen sich frei fühlen, auszusprechen, was ihnen im Kopf herumgeht, und sich nicht drängen lassen, Dinge von sich preiszugeben, die sie lieber für sich behalten wollen. Die Technik und Haltung der Idiolektik ist dazu angetan, sehr rasch ein vertrauliches Umfeld zu schaffen, und ich habe dann und wann erlebt, dass dieses vertrauliche Miteinander dazu verleitet hat, sehr Privates zu erzählen – was dann nach dem Auftauchen aus dieser vertrauten Zweisamkeit in die größere Öffentlichkeit der Gruppe gemischte Gefühle verursachte.

Es ist allerdings auch immer wieder der Fall, dass die fragende Person durch Rückmeldungen verunsichert ist – es ist ja doch eine ziemlich exponierte Position. Daher ist es mir ein großes Anliegen zu klären

„Super, dass Du Dich auf diesen Stuhl gesetzt hast. Ist ja auch nicht immer einfach. Wenn Du nun Fragen stellst, dann kann es dann und wann vorkommen, dass Du nicht so recht entscheiden kannst, wie es weitergehen könnte. Dann wende Dich einfach eine Deinen Coach. Dafür ist er ja da. Erinnere Dich an die Technik. Frage Dich, an welche Worte Du Dich erinnerst, greife ein Wort auf und frage danach. Wenn dein Gegenüber eine Frage nicht beantworten mag – nimm’s nicht persönlich. Nur weil eine Frage technisch korrekt ist, muss sie deswegen noch nicht gut sein. Dein Gegenüber zeigt damit ja auch, dass er gut für sich sorgen kann und das Vertrauen hat, dass Du damit umgehen kannst. Und: wir sind eine Übungsgruppe. Üben heißt Ausprobieren, Verfeinern, Rückfragen. Und ja, es heißt auch, dass wir Fehler machen dürfen. Dafür sind wir ja hier.“

Das war mal sozusagen die Einleitung. Dann geht es darum festzulegen, wie wir, die fragende Person und ich als Coach, miteinander an die Sache rangehen wollen.

„Ich als Coach sitze neben Dir und wir können uns gerne immer wieder mal beraten. Wenn Du Dir unsicher bist, unterbreche das Gespräch mit einer kleinen Geste, dann können wir plaudern und die nächste Frage entwickeln. Wie wollen wir das machen? Magst einfach ausprobieren und Dich nur dann an mich wenden, wenn Du unsicher bist? Oder magst lieber nach jeder Frage kurz innehalten und mit mir reden? Beides ist gut. Und: solltest Du meiner Ansicht mal komplett daneben liegen mit einer Frage, dann werde ich Dich kurz unterbrechen, damit wir uns wieder auf idiolektisches Gebiet begeben können.“

Auch für Menschen, die immer wieder in Gruppen kommen, kann es eine Herausforderung sein, sich so zu exponieren. Nicht nur die erzählende Person benötigt einen sicheren Rahmen, auch die Fragestellerin, der Fragesteller. Und ein Weg ist einerseits, das Setting zu klären, wie wir das miteinander angehen wollen, und andererseits, daran zu erinnern, dass wir hier üben, und dass auch die Person, die auf dem anderen Stuhl sitzt, weiß, dass hier geübt wird.

Oft blockieren uns ja unsere Vorstellungen von einem perfekt zu führenden Gespräch die Wahrnehmung und Erinnerung – es mag entspannend sein, sich an den Übungscharakter zu erinnern, und auch daran, dass da jemand ist, der oder die einschreiten kann, wenn es mal wirklich nötig sein sollte.

Nachdem das dann geklärt ist, kann es losgehen. Es ist für mich persönlich hilfreich, den Rahmen zu kennen, innerhalb dessen wir uns bewegen – da ist es unerheblich, in welcher Rolle ich mich dabei in einer Gruppe befinde. Die Kenntnis der Regeln, der „Do’s and Don’ts“ in einer Gruppe, gibt mir irgendwie ein gutes Gefühl. Wenn ich also auf diesen Erklärungen so herumreite, dass einfach, weil ich damit gut für mich selbst sorge.